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Leseprobe · Eine Kostprobe

Prosecco, Latex und ein Laden der besonderen Art

Sue

Susanne Reich · acht Jahre Kinky-a-Fair

Vorhang auf

Bevor wir anfangen

Warum ich dieses Buch schreibe? Ganz einfach: weil ich gar nicht anders kann.

Seit den ersten Tagen in meiner verrückten Boutique habe ich fast rund um die Uhr die absurdesten, schönsten, chaotischsten Dinge erlebt. Momente, bei denen ich dachte: Das glaubt mir keiner, das muss ich aufschreiben. Also: macht euch ein Glas Prosecco auf, lehnt euch zurück — und begleitet mich durch acht Jahre Kinky-a-Fair.

Sue — PorträtFoto: Siegfried Probst

Wer bin ich?

Wer erzählt euch hier eigentlich diese ganzen Geschichten?

Ich bin klein. Sehr klein. Aber dafür mit einer großen Klappe. Tätowiert von Kopf bis Fuß. Meine langen, schwarzen Locken machen sowieso, was sie wollen.

Kaffee und Prosecco sind meine Grundnahrungsmittel. Auf Fetischpartys blühe ich auf: je bunter, desto besser. Und ja, ich bin Widder — stur, loyal, ehrlich bis zur Schmerzgrenze.

Nach außen die starke Frau, innen oft das kleine Mädchen. Eines aber ist sicher: Langweilig wird es mit mir nie.

01Alltag im Birkenwald

Die Kabine, die mich rot machte

Sue in Gold auf der Chaiselongue
„Mittendrin, aber nie ganz drin."
Foto: Siegfried Probst

Es war ein ganz normaler Tag im Laden — dachte ich zumindest. Ich war mitten im Gewusel, stapfte zwischen Korsetts, Latexkleidern und Prosecco-Gläsern hin und her.

Dann hörte ich's: „Sue, komm mal eben!" Ich dachte mir nichts weiter. Ich dachte wirklich, es geht um einen Reißverschluss. Oder ein Korsett, das klemmt. Irgendwas Normales eben.

Ich zog den Vorhang zur Seite — und da stand er. Untenrum komplett nackt. Selbstbewusst, breit grinsend. Mein Blick wanderte automatisch nach unten. Und da war es: sein bestes Stück. Groß. Sehr groß. So groß, dass mein Kopf kurz aussetzte.

Ich weiß noch, wie ich nach unten schaute und dachte: Oh fuck. Ich bin gerade quasi Auge in Auge mit seinem besten Stück. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Augen.

Schon kam sie, seine Partnerin, mit dieser Stimme, die schon beim ersten Ton Gänsehaut machte. Sie beugte sich zu mir, so nah, dass ich ihren Atem spürte, und flüsterte mir ins Ohr: „Schau mal… ist er nicht wunderschön?"

Mir rutschte fast das Herz in die Hose. Sie legte noch nach: „Willst du auch mal?"

Ich schwöre, ich stand da, mein Kopf schon fast lila, dann haute sie noch einen raus:

„Setz dich doch drauf, du darfst das."

— hier fällt der Vorhang —

Was Sue jetzt tat (und was nicht), bleibt zwischen ihr und der metallic-blauen Latexshort.

Weiter im Kapitel „Die Kabine, die mich rot machte".

02Die Bauarbeiter

Zwei Welten, eine Kabine

Es war Karneval. Mein erstes Jahr als Fetisch-Waren-Fachverkäuferin — und ich mittendrin, noch nicht so abgebrüht wie später, eher so: „Okay Sue, bleib cool, atme, das wird schon."

Ich hatte gerade eine meiner liebsten Kundinnen im Laden. Eine kleine, zierliche, unglaublich elegante Lady — alles an ihr roch nach Noblesse. Ich brachte ihr ein Sektchen (klar, was sonst) und französische Spitzenwäsche in die Kabine.

Und dann klingelte die Glocke. Zwei Typen. Nummer eins: ein Koloss im Blaumann. Übergewichtig, Finger wie Schraubenschlüssel, die Latzhose fleckig und müffelnd. Nummer zwei: klein, etwas gepflegter, schüchtern. Stand da wie sein Schatten.

Und jetzt haltet euch fest: Sie gingen schnurstracks an meine Birkenstämme — griffen nach Strapsen, hielten sie hoch, musterten sie, als wären sie im Baumarkt.

Ich, professionell wie immer (hust), rüber: „Na Jungs, was darf's sein? Für die Frau?" Und da kam's. Mit tiefer, empörter Stimme: „Nein, für mich!"

Mein Mund: Fettnäpfchen-Modus an. „Ah… ja dann wohl für Karneval, oder?" Und er noch empörter: „Nein! Für mich und meinen Freund. Auch wir dürfen uns was gönnen!" In seiner Hand: Strapse. Größe S. Ein Dienstmädchen-Set. In S!

Also lächelte ich breit und sagte so cool, wie es mir möglich war: „Na dann… hol ich dir mal das Größte, was ich dahabe." XXXL Strapshalter. Kabine auf, er rein, sein kleiner Kumpel direkt hinterher wie ein Bodyguard.

Ich huschte zurück zur Kabine meiner edlen Lady. Sie stand da in feinster Spitze, makellos, graziös — ich sah sie an und hauchte: „Wunderschön."

Und dann, durch den Spalt im Vorhang, blitzte etwas Rosa…

— hier fällt der Vorhang —

Was unter dem Blaumann zum Vorschein kam, hätte Sue sich nicht ausdenken können.

Weiter im Kapitel „Die Bauarbeiter".

03Eine Love Story

Toyboy Nummer 1

Sue im Club, rotes Licht
Geburtstag, Glitzer, alles ein bisschen drüber.
Foto: Siegfried Probst

Ach Leute, ich kann euch nicht gehen lassen, ohne wenigstens eine Love Story zu erzählen. Oh, da fällt mir doch tatsächlich eine ein. So ein paar gab es ja in all den Jahren.

Ich feierte meinen Geburtstag riesengroß im damaligen Blumengold. Glitzer, Glamour, die besten KinkyBeats-DJs, ein sexy Buffet, viel zu gute Getränke. Und plötzlich stand da dieser Mann. Groß. Gute Figur. Gepierct. Blondierte Haare. Und deutlich jünger als ich.

Ich habe ihn die ganze Zeit beobachtet. Mein Blick ließ ihn einfach nicht los. Ich hatte mir genug Mut angetrunken und irgendwann einfach gemacht: Ich habe ihn nach seiner Nummer gefragt. Ich wurde knallrot. Die Fetisch-Queen — komplett verlegen.

Irgendwann standen wir draußen. Es war warm, die Fackeln im Raucherbereich brannten, dieses weiche Licht. Und ja — ich werde kurz romantisch — da haben wir uns geküsst. Hach ja. Es war schön.

Irgendwann dachte ich: Nimm ihn einfach mal mit. Zeig ihm deine Welt. Also habe ich diesen wunderschönen Mann im Laden eingekleidet — enge Kunstlederhose, Wetlook-Shirt. Mir sind die Herzen aus den Augen gefallen. Meine Mädels fanden ihn auch toll. Haben mich aber gewarnt. Dass das nicht einfach wird.

Dann kam der Tag der KinkyBeats. Ich war verknallt. Richtig. Doch die erste Veranstaltung dieser Art sollte man vielleicht nicht ausgerechnet mit der Veranstalterin erleben. Es war zu viel. Er verschwand irgendwann in unseren Crewraum, knallte die Tür zu. Trotzdem bin ich hinterher.

Und dann wurde es noch absurder. Mein Freund — nennen wir ihn den Golden Boy — war auch da. Gut angetrunken. Und völlig ahnungslos, was gerade passiert war.

Denn der Golden Boy war plötzlich der Meinung, meine „neue Errungenschaft" wäre ziemlich heiß. Was dann passierte, war… sagen wir mal… maximal unpassend.

— hier fällt der Vorhang —

Manche Shows bestellt man nicht. Manche kann man auch nicht mehr stoppen.

Weiter im Kapitel „Toyboy Nummer 1".